Rückblick
Studienreise Mittelfranken - Auf den Spuren der Exulanten

In der frühen Neuzeit (rund um 1580) war im Land ob der Enns die Bevölkerung zu mind. 80% evangelisch. Viele fanden, im lutherischen Glauben an die Gnade Gottes, allein aus der Schrift, Antwort auf ihre Fragen. Die Habsburger Kaiser des Heiligen Römischen Reiches waren dem Papst verpflichtet und trieben die Gegenreformation voran. Dies führte unter anderem zu Bauernkrieg, 30-jährigem Krieg, Frankenburger Blutgericht und zur Vertreibung von Nicht- oder Akatholischen Richtung Franken (oder anderswohin).
Und zwar zu Fuß mit wenig Hab und Gut. Ohne Kinder, welchen man ja noch den „richtigen“ Glauben in Konversionsanstalten beibringen wollte. Die Fußmärsche führten in reichsfreie Markgrafschaften (Ortenburg, Sulzbürg etc.) oder in reichsfreie Städte (Nürnberg, Regensburg), welche sich dem evangelischen Glauben anschlossen bzw. die Reformation annah-men. Erste Station war oftmals Ortenburg, wo sich einige in einem eigens gerodeten Gebiet niederließen. Ortenburg war ein kleines Territorium und eher überfordert. So marschierten viele Exulanten weiter nach Franken und darüber hinaus. In Städten konnten vor allem reichere Glaubensflüchtende Platz finden, die ärmeren Bauern fanden dort verschlossene Tore vor, wurden aber im Umland freudig empfangen. Sie konnten, der Sprache und der landwirtschaftlichen Kenntnisse wegen leere, im 30-jährigen Krieg geplünderte und verwahrloste Höfe, beleben.
Der wirtschaftliche Aufschwung in evangelischen Grafschaften zeigte sich auch in den Kirchen. Es wurden evangelische Kirchen (Weidenbach, Sulzbürg, Ansbach, Regensburg) gebaut, mit Emporen um mehr Platz zu bieten, mit Altarbildern, das Abendmahl oder die Kreuzigung darstellend, mit Orgeln und Logen für die evangelischen Adeligen. Es wurden auch katholische Kirchen umgebaut, Heiligen die Attribute entfernt wurden oder Wallfahrts-Reliquien zerstört oder belassen.

In Sulzbürg zeigte sich ein sehr toleranter Umgang mit Konfessionen, ohne die Wurzeln zu vergessen bzw. die Identität zu verlieren. Sulzbürg zeigt im Museum das Regieren der reichsfreien Markgrafen Wolfsteiner, die sowohl jüdischen und katholischen Zuwanderern als auch Exulanten aus dem Raum Vöcklabruck Platz boten.
Am Schlossberg stehen eine katholische und eine evangelische Kirche, der jüdische Friedhof befindet sich in der Nähe. Auf diesem Platz wurde 2024 auf Einladung der dortigen Gemeinde das Frankenburger Würfelspiel als Gastspiel gezeigt. Sowohl von Seiten der Frankenburger Darsteller und Darstellerinnnen als auch der fränkischen Zuseher und Zuseherinnen war dies von außergewöhnlicher Emotionalität geprägt.
Der Leiter des dortigen Museums, Ludwig Schiller, das wandelnde Geschichtsbuch laut Bürgermeister, selbst Nachfahre von Exulanten, beendete seine Führung mit den Worten – „griaßts ma des Landl schön“.

Zeitsprung: Wir waren auch auf Besuch in Neuendettelsau und Rummelsberg. Neuendettelsau zeigte die pietistische (Glaube in praktischem Tun zeigen) Bewegung rund um Pfarrer Löhe (1808-1872), welche bis heute Mission und soziale Arbeit zeigt. Die Auswanderung und Missionierung im 19. Jhdt., welche zu den Gründungen von lutherischen Gemeinden Frankenmuth, Frankentrost, Frankenlust in den USA führte zeigt sich in der rund 2 Millionen Mitglieder große lutherischen Missouri-Synode.
Rummelsberg ist eine große diakonische Einrichtung nahe Nürnberg. Ähnlich Gallneukirchen in OÖ sind dort Schulen für Diakone und viele Sozialberufe, ein Krankenhaus und die Zentrale von Wohlfahrtsinstitutionen in ganz Bayern.
In der dortigen Kapelle mit dem großen, sie umgebenden, Friedhof durften wir bei einem Orgelkonzert innehalten und die Darstellung der Tugenden der Diakonie betrachten. Fremde beherbergen – gilt es – damals, heute und in Zukunft. Um diese Werte weiterzugeben, bedarf es auch einer Kirche mit ihren Gliedern.

Das Altarbild von Bad Windheim wird regelmäßig ausgetauscht und von örtlichen Künstlern gestaltet. Im aktuellen Altarbild sehen manche einen Eisberg, andere sehen einen Ausgang ins Licht.
Bericht: Josef Zaunrieth
Stadtspaziergang mit Dominika Meindl
Der Bericht über den Stadtspaziergang mit Dominika Meindl ist unter folgendem Link zu finden:
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Armut in Österreich
Unter diesem Titel trafen sich die Diakoniebeauftragten von evangelischen Pfarrgemeinden in OÖ und weitere Interessierte an dem Thema am 25.4. in der Pfarrgemeinde Wels.
Am Nachmittag gab es ein Kennenlernen und Austausch von dieser Arbeit im persönlichen und pfarrgemeindlichen Umfeld. Ein Protokoll dazu wurde erstellt und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zugesandt. Wir empfanden das Treffen sehr hilfreich und hoffen auf weitere Begegnungen, dann auch mit fachlichen Inputs. Diakoniebeauftragte sollten das diakonische Arbeiten der Gemeinde im Blick haben, aber diakonische Arbeit sollte von allen Gemeindegliedern getragen sein. Alle sind wir gefragt.
Der Abend hat uns dies vor Augen geführt. Elizabeth Morgan-Bukovics moderierte die Inputs der beiden betroffenen Personen, Christine Sallinger und Johann Neubauer von der Plattform Sichtbarmachen und der beiden Sozialexperten Mag. Martin Schenk von der Armutskonferenz und Diakonie i.Ö. und Dr. Georg Wagner von der Stadtdiakonie Linz.
Fragen und Erfahrungen aus dem Publikum zeichneten ein Bild, das uns alle in die Verantwortung nahm, strukturell an einer gerechteren Welt mitzubauen und im persönlichen und gemeindlichen Begegnen und Handeln achtsam zu sein, um nicht sich und den anderen zu beschämen.
Dankbar sind wir für die weiterführende Literatur und wir freuen uns auf ein Weiterdenken und fruchtbares Tun in den Gemeinden.
Zum Mitmachen und Anschauen!
MItgehn: Mitmachmöglichkeiten und Werkzeugkiste
https://www.armutskonferenz.at/mitgehn
Portraits Lebensskizzen www.lebensskizzen.at auf Instagram
Leitfäden gegen Beschämung
https://www.armutskonferenz.at/aktivitaeten/tu-was-gegen-beschaemung.html
Bücher: Lesen!
Brot und Rosen. Über Armut, oder den Unterschied zw Hungern Fasten macht die Freiheit.
https://www.konturen.cc/buecher/brot-und-rosen/#tab-berdasbuch
Armut in der Krisengesellschaft
https://evang.at/neues-buch-armut-in-der-krisengesellschaft/
Was Kindern jetzt gut tut. Gesundheit fördern in einer Welt im Umbruch
https://www.kinderstärken.jetzt/
Aus der Reihe Diakonie-Argumentarium: Was ist eigentlich gerecht?
https://www.diakonie.at/file/download/13953/file/argumentarium-5-gerechtigkeit-2018.pdf
Infos und Newsletter: Anmelden!
Österreichweite Seite Gemeindediakonie
https://www.diakonie.at/unterstuetzen-und-spenden/gemeindediakonie
Armutskonferenz Newsletter
https://www.armutskonferenz.at/newsletter.html